Sektion 10

Glottopolitik als Herausforderung für die Erneuerung der romanistischen Sprachwissenschaft

Sektionsleitung: Lidia Becker (Leibniz Universität Hannover), José del Valle (City University of New York), Gabriele Knauer (Humboldt-Universität zu Berlin)

Ansprechpartnerin: Lidia Becker
(
becker@romanistik.phil.uni-hannover.de)

Die Sektion hat den Anspruch, ein Diskussionsforum über Möglichkeiten und Herausforderungen bei der Erneuerung der romanischen Sprachwissenschaft als Disziplin zu sein. Der transformatorische Impuls dafür kommt aus dem Forschungsfeld der Glottopolitik, das die Analyse der politischen Dimension sprachlicher Handlungen sowie die sprachliche Dimension der politischen Prozesse zum Gegenstand hat. Glottopolitische (und z.T. auch sprachsoziologische) Studien machen deutlich, dass sich die Modelle der Reflexion über den Sprach­gebrauch und die Sprachen sowohl aus theoretischer Sicht, als auch mit Bezug auf die Gesellschaft insgesamt und ihre Strategien der Verteilung sprachlichen Kapitals erheblich verändert haben (Arnoux 2000, Duchêne/Heller 2012). Die Geschichte der Herausbildung dieses Forschungsfeldes zeigt zudem, dass bereits ein romanischer und romanistischer Raum der Wissenszirkulation entstanden ist, der vor allem Frankreich (Guespin/Marcellesi 1986), Deutschland (vgl. Bochmann 2001), Argentinien (Arnoux 2000) und die USA (Del Valle 2013) einschließt. Ziel ist es, sein theoretisches und methodologisches Potenzial für die Fundierung einer sprach­wissenschaftlichen Forschung sichtbar zu machen, die sich dezidiert gesellschaftlichen Fragen stellt. Möglich­keiten dafür ergeben sich u.a. aus der kritischen Reflexion der romanistischen Fachgeschichte im Hinblick auf terminologische Fragen. Durch Beiträge aus verschiedenen romanistischen Einzelphilologien kann auch das sich daraus ergebende komparatistische Potenzial stärker für die theoretische Fundierung des Forschungsfeldes nutzbar gemacht werden. Die Beiträge der Sektion werfen vor diesem Hintergrund innovative Fragestellungen auf und schlagen Methoden vor, die die Erneuerung der romanistischen Sprachwissenschaft in Verbindung mit gesellschaftlichen Fragen voranbringen und zugleich den Bereich glottopolitischer Studien erheblich erweitern.

Bibliographie: Arnoux, Elvira Narvaja de (2000): La Glotopolítica: transformaciones de un campo disciplinario. In: Alfredo Rubione (ed.): Lenguajes, teorías y prácticas. Buenos Aires: Instituto Superior del Profesorado Dr. Joaquín V. González, 15-42; Bochmann, Klaus (2001): Notre langue, votre patois, leur baragouin: stéréotypes et représentations des langues. In: Hermès 30, 91-102; Del Valle, José (ed.) (2013): A Political History of Spanish. The construction of a language. Cambridge: Cambridge University Press; Duchêne, Alexandre/Heller, Monica (2012): Language in Late Capitalism: Pride and Profit. Londres/Nueva York: Routledge ; Guespin, Louis/Marcellesi, Jean-Baptiste (1986): Pour la glottopolitique. In: Langages 83, 5-31.